RE:Φονικά

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XX,1 (1941), Sp. 526
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Φονικά. Nach der Angabe des Aristoteles (rep. Ath. 7, 1; vgl. Plut. Sol. 17, 1) waren die φ. der einzige Teil der drakontischen Gesetzgebung, den Solon ungeändert bestehen ließ, und das entspricht der seit Ende des 5. Jhdts. für uns nachweisbaren Anschauung in Athen (Antiph. 5, 14). Die Eingangsformel des erhaltenen, 409/08 erneuerten Gesetzes (IG I2 115. Syll. 111) nennt Drakon ausdrücklich, ebenso Demosthenes wiederholt, wenn er vom Mordrecht spricht (XXI 158. XXIII 51. XLVII 71), während er anderwärts nur von φ. schlechthin spricht (z. B. XXI 43). Man muß also annehmen, daß die Bestimmungen als Ganzes unangetastet geblieben waren. Nun beginnt die Inschrift mit einem καὶ, das deutlich zeigt, daß vorher etwas weggefallen ist (Z. 11), wie man längst erkannt hat, die Bestimmungen über den vorsätzlichen Mord (Lipsius Att. Recht I 17ff.). Es ist sehr wahrscheinlich, daß Drakon hier noch die Blutrache, d. h. die Selbsthilfe in ungemilderter Form, ohne die Mitwirkung einer staatlichen Instanz, zugelassen hatte, was Solon beseitigen mußte. Auch sonst gehören einige der Bestimmungen sicher einer späteren Zeit an, wie Demosth. XXIII 28 mit der Erwähnung der ἡλιαία, oder die allgemeine Bestimmung über die Kompetenz des Areopags Demosth. XXIII 22, da der Name bei Drakon nicht vorkam (Plut. Sol. 19, 3). Wenig verwendbar ist die Tatsache, daß die Grammatiker das Mordrecht als solonisch zitieren (Poll. III 28 = IG I² 115, 15. Phot. s. ἀνδραφόνος 126, 17 R.), da ohnehin die aufgenommenen Teile der drakontischen Gesetzgebung ebenso auf den ἄξονες standen, wie Solons eigene Gesetze. Das einzige positive Zeugnis für die drakontische Herkunft des erhaltenen Gesetzes ist die Erwähnung der Epheten (Z. 18).

[Kurt Latte.]